Berlin in meinem Ohr

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Das Starterkit

Für mich als Kassettenkind und Geschichtenjunkie war das DAS perfekte Geschenk: ein Gutschein für eine Stadt im Ohr-Tour meiner Wahl. Stadt im Ohr ist eine Audio-Stadtführung der besonderen Art: ein Hörspiel zum Mitlaufen. Es gibt in Berlin mehrere Touren, zu denen man an unterschiedlichen Startpunkten Audiogeräte mit dem entsprechenden Hörspiel ausleihen kann. Man kann sich die Tracks auch herunterladen und als CD oder App kaufen. Die Geschichte des Hörspiels begleitet einen dann durch die Straßen Berlins.

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Turmhochhaus am Platz der Vereinten Nationen

Den Gutschein musste ich bei der ersten Gelegenheit am vorletzten Sonntag gleich einlösen. Da die Ausleihstation meines zweiten Favoriten (die Mitte-Schritte) sonntags nicht zugänglich ist, entschied ich mich ganz schnell für die Zwischen Schlange und Schwan-Tour, ein Audiospaziergang über das Leben in DDR-Denkmälern. Also auf zum Startpunkt: dem Platz der Vereinten Nationen – bei minus 4 Grad und Schneefall.

Im Turmhochhaus bekam ich vom etwas unenthusiastischen Concierge den mp3-Player, Kopfhörer und einen kleinen Plan mit Karte. Die Einleitung hörte ich mir im Foyer an und dann ging’s raus in den Berliner Winter. Die Geschichte führte mich an sozialistischen Wohnkomplexen vorbei und auf bekannten und unbekannten Wegen zweieinhalb Stunden durch Mitte. Ich erfuhr etwas über Plattenbauten, den Trümmerberg Mont Klamott, Schrankwände in der DDR, sozialistische Prachtstraßen, Parteitagsbrause, Eierschachtelhäuser, verlassene Buchhandlungen, den 17. Juni 1953 und ganz nebenbei viel über das Leben in Berlin zur Zeit der DDR. Ich lernte außerdem, dass Hauseingänge gut vor starkem Schneefall schützen können und dass eine Mütze eine prima Idee gewesen wäre.

Die sozialistische Prachtstraße

Die sozialistische Prachtstraße

Die Streckenführung war interessant und kurzweilig, das Tempo angemessen. Zwischendurch hätte ich mir genauere Anweisungen oder Hinweise auf Zwischenpunkte gewünscht, da ich manchmal nicht sicher war, wie weit ich gehen musste. Aber ein bisschen Abenteuer gehört ja zu einer Stadterkundung. Der Blick auf die Karte hätte mir bestimmt auch geholfen, aber ich war zu sehr mit Schneeschutz beschäftigt. Die Handschuhe musste ich leider hin und wieder ausziehen, da die Feststelltaste an meinem Player kaputt war und ich immer mal wieder spulen musste – bei den langen Tracks eine Herausforderung (ein paar mehr Trackmarken wären hier hilfreich).

Ein denkmalgeschützter Buchhandlungsschriftzug

Ein denkmalgeschützter Buchhandlungsschriftzug

Diese kleinen Unannehmlichkeiten konnten mir jedoch nicht den Spaß verderben. Die Geschichte war angesichts der erzählerischen Herausforderung zwar etwas gewöhnungsbedürftig und männerstimmenlastig, aber interessant, abwechslungsreich und gut gemacht: spannende Details, wenig Jahreszahlen, viele Anekdoten, persönliche Geschichten und Erlebnisse, bunt verziert mit Liedern, O-Tönen und Musik.

Hatte ich erwähnt, dass es geschneit hat?

Hatte ich erwähnt, dass es geschneit hat?

Am Ende der Runde war ich zwar etwas verfroren, aber es hat sich auf jeden Fall gelohnt: super Idee, klasse Umsetzung. Was Schlangen und Schwäne mit Hochhäusern zu tun haben, müsst ihr jetzt allerdings selbst rausfinden. Diese besondere Stadtführung ist nämlich absolut empfehlenswert.

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