Buchcamp 2013: Exkursion in meine fremde Welt

Wir könnten alle viel mehr voneinander lernen, wenn wir nur wüssten, was die anderen den ganzen Tag so machen. Deshalb finde ich den Austausch mit anderen Bücherprofis so spannend und es ist einer der Gründe, warum ich Branchenveranstaltungen wie die Buchmessen oder das Buchcamp so schätze. Diese Grundannahme war für mich auch eine der Motivationen, beim Buchcamp Anfang Mai eine Session über „die wundersame Welt der Wissenschaftsverlage“ anzubieten, bei der ich vorstellte, wie wir in diesem Branchenbereich arbeiten und welche Themen uns aktuell umtreiben.

Das Besondere am wissenschaftlichen Publizieren ist für mich, neben der Nähe zum akademischen Arbeiten und den Forschern, der geschlossene Kosmos, in dem wir uns bewegen. Mit den Spezialthemen, die wir veröffentlichen, sind unsere Leser zugleich unsere (zukünftigen, potenziellen oder tatsächlichen) Autoren. Auch unsere Hauptzielgruppe ist ungewöhnlich und erfordert besondere Maßnahmen: es sind die Bibliotheken. Viele wissenschaftliche Verlage bauen deshalb ihren Direktvertrieb an Bibliotheken durch sogenannte Plattformen aus, deren Vorteile und Möglichkeiten ich in meiner Session vorstellte. Gerade bei diesen Plattformen und ihren Möglichkeiten können wir branchenweit voneinander lernen und uns gegenseitig inspirieren. Modelle wie das PDA (Patron Driven Acquisition, der lesergesteuerte Erwerb), bei dem quasi alle vorhandenen E-Titel eines Verlags zur Verfügung stehen, der eigentliche Kaufimpuls aber erst bei tatsächlicher Nutzung vom Leser ausgelöst wird, können auch anderen Branchenbereichen als Denkanstoß dienen.

Zu den Eigenarten unseres Bereichs zählt auch das Dateiformat, in dem wir bevorzugt und nach wie vor überzeugt publizieren. Eine meiner – zugegebenermaßen provokanten – Thesen war daher, dass PDF doch das tollste E-Book-Format ist. Glücklicherweise musste ich diese Behauptung hart verteidigen und obwohl ich die vielen Vorteile, die PDF aktuell für die Wissenschaft (noch) bietet, akribisch aufzeigte, waren am Ende der Session wohl nicht alle restlos von der universellen Heilsfunktion des PDF überzeugt. Gut so!

Ein weiteres spannendes Thema, das in meiner Session nicht fehlen durfte, ist Open Access. Ich erzählte, warum es nicht genügt, Dateien einfach auf die eigene Website hochzuladen und stellte die verschiedenen Formen des Open Access vor. Die wichtige Rolle, die Verlage dabei spielen und zukünftig weiter spielen könnten, diskutierten wir auch noch bis in die Kaffeepause hinein.

Mein persönliches Highlight meiner Session war, dass die Teilnehmer alle nicht auf den Mund gefallen waren und aus ganz unterschiedlichen Perspektiven etwas beizutragen hatten. Da war die Bibliothekarin, die von ihren Praxiserfahrungen mit PDA berichtete, die Studierenden, die sich als Experten für digitales Lernen und die verschiedenen Lern- und Informationsangebote einbrachten und all die anderen, die viel zu sagen hatten oder einfach gute Fragen stellten. Die Diskussion über den freien Zugang zu Wissen kam am Ende leider zu kurz (wie ich auf Twitter nachlesen konnte). Aber ich habe hinterher von verschiedene Leuten gehört, sie hätten tatsächlich etwas Neues in der Session gelernt. Das hat mich sehr gefreut; mir ging es nämlich genauso. Und so soll es auf einem ordentlichen Barcamp ja auch sein.

P.S.: Nach meiner Session habe ich meine Slides hochgeladen und der Börsenverein hat die Session natürlich auch dokumentiert. Außerdem habe ich ein kleines Interview gegeben:

1 Kommentar

  1. Pingback: Open Access 101 – Zwei Einführungen « sinahar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

%d Bloggern gefällt das: