Das kommt mir Tschechisch vor. Eine sprachliche Annäherung

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Meine neueste Sprachentdeckung ist Tschechisch. Als Kind des Westens hatte ich – außer mit dem kleinen Maulwurf, von dem ich wusste, dass er international verständliches Tschechisch spricht – kaum Kontakt mit dieser slawischen Sprachen. Schade eigentlich.

Tschechisch scheint aus deutsch-zentristischer Perspektive eine Sprache mit erheblichem Konsonantenüberfluss zu sein. Dafür gibt es jede Menge Betonungszeichen, die das Schriftbild exotisch gestalten. Es gibt sogar Worte und ganze Sätze, die ohne Vokale auskommen; Das beeindruckt mich schwer. ‚Vlk‘ ist so ein Beispiel. Es bedeutet Wolf und der ist auch der Held des aktuellen längsten sinnvollen vokallosen tschechischen Satzes:

Blb vlk pln žbrnd zdrhl hrd z mlh Brd skrz vrch Smrk v čtvrť srn Krč.

Auf deutsch bedeutet das: 

Nachdem ein dummer Wolf zuviel gesoffen hatte, flüchtete er stolz aus dem nebligen Brdy-Gebirge, über den höchsten Gipfel des Isergebirges, Smrk, bis ins Prager Stadtviertel Krč, in dem es viele Rehe gibt. 

Merke: Vokallose Sätze sind deutlich kürzer als vokalhaltige. Über die Grammatik, die komprimiert in diesen paar Wörtern stecken muss, möchte ich lieber gar nicht nachdenken. Vorsprechen lassen kann man sich diesen schönen Satz übrigens bei Radio Prag.

Zur Freude aller Tschechen habe ich mich bisher nur selten an die Aussprache von irgendetwas Tschechischem getraut. Ich scheine nämlich kaum natürliches Talent dafür zu haben. Das Wort für „danke“ (děkuji) habe ich mir vom Wiktionary gefühlte 30 Mal vorsprechen lassen, bevor ich mich bei meinem Kurztripp nach Prag in den letzten Tagen an die Praxis wagte.

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Bei meiner Reise merkte ich: Viel zu lange war ich nicht mehr in Ländern unterwegs, deren Sprache ich noch nicht einmal ansatzweise verstehe. Ich hatte ganz vergessen, wie viel Spaß mir das macht. Weil mein Gehirn auf Sinnerkennung gepolt zu sein scheint, kann ich mich Schrift kaum entziehen. Und so liebe ich Schilderraten im Urlaub. Wenn es dann auch noch ein bisschen schwerer ist als in Frankreich, Neuseeland, Schweden oder den Niederlanden – umso besser. Ich war also begeistert, in Tschechien mit Schildern konfrontiert zu sein, die ich auf Anhieb null Komma gar nicht verstand.

Besonderen Spaß hatte ich, als ich mich an einer U-Bahnhaltestelle, über die ich beim Rumstromern gestolpert war, orientieren wollte. Es dauerte eine Weile, bis mir klar wurde, dass das große Schild über dem Plan wohl nicht der Name der Station war, wie ich angenommen hatte und den ich in der Netzübersicht partout nicht finden konnte, sondern wohl einfach ‚Übersichtsplan‘ oder so etwas bedeutete. Das Honigkuchenpferdgrinsen hatte ich noch immer im Gesicht, als ich schon längst in der richtigen Metro saß.

Auch nach vier tschechischen Tagen klingt die Sprache noch immer sehr beeindruckend und sieht nach wie vor geheimnisvoll aus. Gerne würde ich sie wenigstens ein bisschen können. Schon alleine, weil ich den Verdacht nicht loswerde, dass die Preisschilder bei Restaurants in der Prager Innenstadt auf tschechisch ganz anders lauten als auf englisch und deutsch.

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