Geisteswissenschaften: Und was wird man damit? Zeitschriftenredakteurin, zum Beispiel

Hammer und Buchstaben

In der Interview-Reihe „Und was wird man damit?“ erzählen GeisteswissenschaftlerInnen, die im Beruf stehen, jeden Dienstag aus ihrem Arbeitsalltag und was ihnen das Studium tatsächlich gebracht hat.

Sonja (38) hat erst etwas Handfestes gelernt und nach dem Abitur eine Tischlerlehre abgeschlossen. Danach studierte sie Germanistik, mittlere und neuere Geschichte und Kunstgeschichte auf Magister. Jetzt arbeitet sie als Redakteurin bei der Zeitschrift „HolzWerken“ in Hannover, wo sie das Beste aus zwei Welten verbindet. Im vergangenen Jahr erdachte sie für ihren Verlag einen Fotokalender und gab sich damit ganz einer geheimen Leidenschaft hin: Tool Porn.

Wie bist du zu deinem aktuellen Job gekommen, Sonja?
Meine Lieblingszeitschrift HolzWerken hatte ein Volontariat ausgeschrieben, kurz nachdem ich mit dem Studium fertig war. Auf das habe ich mich erfolgreich beworben. Nach dem Volontariat im Verlag Vincentz Network in Hannover wurde ich nach zwei Jahren als Redakteurin übernommen.

Wie sieht dein Arbeitsalltag aus?
Ich plane, schreibe und redigiere als eine von zwei Redakteuren Beiträge (Artikel) für die Zeitschrift „HolzWerken“, teste Maschinen und Werkzeuge, mache Fotos im redaktionseigenen Fotostudio und bei Außenterminen. Außerdem berate ich unsere Leser bei Fachfragen rund um das Thema Holzbearbeitung, korrespondiere mit Werkzeugfirmen und -händlern sowie mit unseren Autoren (in der Regel Tischler). Darüberhinaus betreue ich sowohl die Webseite als auch den Facebook-Auftritt. Gelegentlich stehe ich vor der HolzWerkenTV-Kamera und drehe kurze Tutorials zum Thema Holzbearbeitung.

Was sind die unalltäglichen Highlights deines Jobs?
In jedem Heft (Turnus: alle zwei Monate) erscheint eine Reportage über einen besonderen Menschen oder eine Firma, die mit dem Thema zu tun haben. Es ist immer ein besonderes Erlebnis, diese Leute zu besuchen und ihnen die Knöpfe vom Jackett fragen zu dürfen.

Mit Holz arbeiten wurde für mich (leider) wieder zum Hobby, nachdem ich mit dem Studium begonnen hatte. Nun kann ich mich mit dem, was mir Spaß macht, auch beruflich beschäftigen. Ich darf in der kleinen, aber feinen Verlagswerkstatt Projekte fürs Heft umsetzen, Tipps und Tricks erarbeiten etc.
Außerdem habe ich während meiner Zeit bei Vincentz professionelle Studiofotografie als Autodidakt erlernen können. Höhepunkt: Ich durfte mein eigenes Projekt, einen Fotokalender mit ganz besonderen Werkzeugen aus kleinen Manufakturen als „Models“, im vergangenen Jahr selbst umsetzen.

Und wie war das jetzt mit diesem Tool Porn?
Mit dem Arbeitstitel Tool Porn amüsierte ich meine Verlagskollegen sehr, denen ich von meinem Kalenderprojekt erzählte. Deutlich waren in ihren Augen mögliche Motivideen zu lesen. Für manche vielleicht enttäuschend, für mich aber der einzig richtige Weg, wunderschönes, handgefertigtes Werkzeug im Werkstatteinsatz zu zeigen: komplett ohne nackte Menschen.

Was hast du im Studium gelernt, was dir heute noch hilft?
Sich geduldig auch durch das zähste Thema beißen und am Ball bleiben können, meine Schreibaffinität aus der Schulzeit weiter ausgebaut zu haben, große Themen auf einen kleinen Raum herunterbrechen (aka mündliche Prüfung), Selbstorganisation, Texte bearbeiten und redigieren; (im Nebenjob:) keine Scheu vor Menschen haben und einfach drauflos fragen.

Welche Fähigkeiten und Kenntnisse findest du für deine Arbeit besonders wichtig?
Offenheit, Neugier, wahres Interesse für das Thema, sich mit der deutschen Sprache auskennen und sich in ihr sicher bewegen können, alle Kenntnisse aus dem Tischlerbereich, technisches Interesse und Verständnis, Geduld und Spaß am Redigieren von Texten haben.

Wenn du zurückblickst auf die Anfänge deines Berufslebens, welchen Tipp würdest du dir selbst geben?

  • Schließe dein Studium ab, bevor du die 30er-Schallmauer durchbrichst.
  • Stelle dein Privatleben niemals hinter den Beruf.
  • Du bist ok, so wie du bist; Hör auf, dir deswegen Sorgen zu machen!
  • Dein Weg ist dein Weg, und er ist gut so, wie er ist!

Vielen Dank für diesen Einblick in deinen Redaktionsalltag und deinen Werdegang, Sonja.

Bildnachweis: IMG_0284 von dnkbdotcom (CC BY-NC 2.0).

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