Geschenke in schwarzen Tagen

Grabrosen

Die schwärzesten Tage liegen hinter mir. Am 27. Dezember 2014 verlor meine wundervolle Schwester, die das Zentrum meiner Familie ist, unerwartet ihren letzten Krieg. Sie kämpfte drei Tage lang tapfer und kraftvoll, denn sie wollte uns nicht verlassen. Wir konnten sie dabei nur in unseren Armen halten und ihr all unsere Liebe geben. Aber gehen lassen mussten wir sie doch.

In allem Schmerz hat die Wut inzwischen Platz gemacht für Dankbarkeit. Ich bin dankbar dafür, dass ich bei ihr sein konnte, dass sie noch einmal perfekt in meinen Arm passte, dass wir für sie gesungen und ihr noch einmal gesagt haben, wie sehr wir sie lieben. Ich hoffe, dass ihr helles Licht niemals aufhören wird, in unseren Leben zu leuchten.

In den ersten schwarzen Tagen der Trauer bin ich auch reich beschenkt worden:

fehlender Sonnenschein

Ich hatte meine Familie bei mir, die mir in besonderen Gesprächen auch über die schweren Morgenstunden half, mit der ich weinen, lachen und schweigen konnte. Ich bin dankbar, dass sie an meiner Seite war und ich an ihrer Seite sein durfte.

Ich bin dankbar, dass es Menschen gab, die mich fest im Arm hielten und sich bedingungslos von mir vollheulen ließen. Sie taten mir gut.

Ich bin dankbar für diejenigen, die mich fragten, wie es mir geht und die Antwort ertrugen. Die mit mir in Kontakt blieben, auch wenn uns so oft die Worte fehlten. Ich bin stolz euch meine Freude nennen zu dürfen.

Ich bin dankbar, dass es Menschen gab, die mit uns weinten.

Ich bin dankbar für die guten Profis an unserer Seite, die uns das Gefühl gaben, dass wir nicht nur Teil ihrer Routine waren, und die sich vom außergewöhnlichen Leben, Sterben und Tod meiner Schwester berühren ließen.

Ich bin allen dankbar, die uns einfühlsame Karten, Briefe und Nachrichten schrieben, um ihre Anteilnahme zu zeigen und uns zu trösten. Ihre menschliche Größe zeigte sich im Angesicht unseres Schmerzes.

Ich danke denjenigen, die ich eigentlich noch nicht gut kannte, die mir aber trotzdem virtuell beistanden oder die in Solidarität mit mir und meiner Familie spontan ihr Profilbild schwarz färbten. Das hat mich sehr berührt. Jetzt kenne ich sie.

Ich bin dankbar für die Menschen, die so zahlreich und für uns überraschend zur Abschiedsfeier meiner wundervollen Schwester kamen und uns dadurch zeigten, wie viele Leben sie berührt und verändert hat. Nie hatten wir geahnt, dass sie so einen großen Einfluss außerhalb unserer Familie hatte.

Ich bin sogar dankbar für das trockene, ruhige Wetter und den Zauberhimmel am Tag ihrer Beisetzung und dafür, dass ich beides wahrgenommen habe.

All das konnte mir den Schmerz nicht nehmen, aber es hat mir gezeigt, dass ich auch in den vor mir liegenden grauen Wochen, Monaten und Jahren ohne die wundervolle Schwester an meiner Seite nicht alleine sein werde. Und das ist ein großes Geschenk.

1 Kommentar

  1. Martina Sevecke-Pohlen

    Ich kann in Worten sage, wie sehr ich mit dir fühle und wie sehr ich es bewundere, dass du über deinen Schmerz schreiben kannst. Fühle dich über die Entfernung in den Arm genommen.

    Antworten

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