Trekking in Lappland: Rucksack auf Diät

Lappland

Es gibt wenige Menschen, mit denen ich über meine Leidenschaft zur Gewichtsreduktion sprechen kann. Würde ich mein eigenes Gewicht reduzieren wollen, stöße ich bestimmt auf Verständnis; Ich will allerdings das Gewicht meines Rucksackinhalts reduzieren. Klingt eigentlich logisch, und alle Leute nicken, wenn ich sage, dass es dabei auf jedes Gramm ankommt. Da ich aber Vorerfahrung habe, meine ich das ernst. Je weniger ich dabei habe, umso freier bin ich. Wenn der Rucksack leicht ist, beschäftige ich mich nicht bei jedem Schritt mit tragen, sondern bin frei, die Landschaft zu genießen und die Freiheit zu spüren.

10 Gramm glücklicher

Beim Bemühen um einen leichten Rucksack, nimmt meine Leidenschaft wohl Züge an, die – von außen betrachtet – übertrieben und manisch wirken. Diesen Wahnsinn würde jeder Trekker jedoch als „pure Vernunft“ bezeichnen. Heute Morgen, beispielsweise, habe ich den Spülschwam, den ich mitzunehmen gedenke, um meinen Frühstücksbrei nach dem Frühstück aus meinem Essschüsselchen (64g) zu waschen, in der Mitte durchgeschnitten. Statt vier Gramm wiegt er jetzt nur noch zwei Gramm. Ja, ich weiß: zwei Gramm?!? Das klingt total bescheuert. Aber ja: zwei Gramm! Es geht nämlich ums Prinzip. Aber noch um viel mehr. Gewichtsreduktion ist eine Einstellung. Und ein Urlaubsgefühl.

Schweren Herzens habe ich mich dazu entschieden, meine Super-Kamera (980g mit Tasche und Ersatzakku) zuhause zu lassen und stattdessen nur meine kleine Knipsi-Kamera (364g inklusive Akkupack für zweimal Nachladen) mitzunehmen. Aktuell stehe ich vor der Entscheidung, ob ich den Kochtopf nehmen soll, für den mein Herz schlägt (149g), weil mich Griff und Deckel überzeugen, oder den, der zwar das Dreifache kostet, aber ultraleicht ist (111g) und den ich hoffentlich unterwegs zu lieben lernen würde.

Gewicht spare ich auch, indem ich beispielsweise die Schildchen und Extraknöpfe aus den Klamotten schneide, Umverpackungen entferne oder natürlich unnötige Dinge – und seien sie noch so leicht – einfach daheim lasse. Wenn ich dann noch bei jedem wirklich benötigten Ausrüstungsgegenstand auf maximale Gewichtsreduzierung achte, habe ich es hinterher viel leichter und entspannter. Glaubt mir: Es läppert sich! Wenn ich fünfmal zwei Gramm einspare, sind das schon zehn Gramm. Und wenn ich zehnmal zehn Gramm einspare, kann ich entweder rechtfertigen den Luxus eines Taschenbuchs mitzunehmen (englische Ausgabe natürlich, 139g, statt die deutsche, 320g) oder einfach nur 100g glücklicher sein.

Aus der Praxis

Drei meiner Lieblingsausrüstungsgegenstände stelle ich euch einmal vor:

Mein Zelt

Es ist ganz neu in meinem Besitz, daher noch nicht auf Herz und Nieren getestet, aber verliebt bin ich in mein Hubba NX doch nach der ersten Nacht schon. Es wiegt nur etwas mehr als eine Milchpackung: unglaubliche 1120g. Mindestens genauso gut sind die Farben: außen grün, innen rot – perfekt. Wir mögen uns, aber so richtig lernen wir uns wohl erst unterwegs kennnen, wenn mir mein neues mobiles Zuhause Schutz und Obdach gewähren muss.

Meine Watschuhe

Wer hätte gedacht, dass sich unter meine liebste Ausrüstung ein Paar Schuhe mogeln würde? Das sind aber keine gewöhnlichen Schuhe, sondern Crocs: verlässliche Partner bei Flussqueerungen, entspannende Wellness-Oase am Abend, anspruchsloses Notfall-Backup und vertraute Reisebegleiter. Zwar sind sie ein bisschen sperrig, aber sie lassen sich prima außen am Rucksack befestigen. All diese wunderbaren Eigenschaften bei gerade mal 344g. Zum Vergleich: meine Wanderstiefel wiegen gut das Fünffache (1760g – viel Optimierungspotenzial!).

Mein Spork

Niemals würde ich normales oder gar billiges Plastik-Besteck mit auf eine Tour nehmen. Hunger habe ich natürlich trotzdem. Daher besitze ich einen Spork, der am einen Ende ein Löffel (spoon) und am anderen eine Gabel (fork) ist und der sogar noch Zacken zum Schneiden hat. Nicht, dass ich diese Funktion jemals gebraucht hätte, aber die Aussparungen machen das gute Ding bestimmt noch leichter (10g). Gekauft habe ich mir dieses Wunderteil übrigens direkt vor meiner allerersten Tour in der Fjällstation Abisko. Neben dem unmittelbaren Nutzen hat es auch noch nostalgischen Wert.

Wofür genau ich meinen Spork benutze und ob das dann vielleicht doch etwas mit Gewichtsreduktion zu tun hat, erzähle ich euch in meiner nächsten Folge.

Habt ihr sonst noch konkrete oder diffuse Fragen zu meiner Tour? Dann gerne her damit!

11 Kommentare

  1. Nicki

    Ich frage mich ja, was „unnötige Dinge“ sind. Ich befürchte, wir beiden haben da sehr unterschiedliche Sichtweisen. 😉
    Deswegen mache ich die Trekkingtour so gerne durch Deine Augen – von zu Hause aus. :-)
    Und bin weiterhin sehr begeistert, dass Du solche Abenteuer wagst! Gutes Vorbild für’s Patenkind!
    :-*

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    1. Silke (Beitrag Autor)

      Im ersten Jahr hatte ich auch noch andere Vorstellungen von unnötigen Dingen, aber das ändert sich. Es ist toll zu sehen, mit wie wenig man auskommen kann. Und das ist bestimmt eine vorbildliche Erkenntnis, die man sich von einer Patentante abgucken kann 😉

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  2. Nicki

    Hab ich vergessen: Mir fehlt der Bildnachweis zum Foto oben. ;-P

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    1. Silke (Beitrag Autor)

      Danke für den Hinweis. Da es sich in diesem Fall aber um eine Erstveröffentlichung handelt, ich die Hälfte der Bildrechte halte und die vollständige Veröffentlichungserlaubnis für genau diesen Zweck des Urhebers habe, mit dem das in dieser Form abgesprochen ist, gibt es in diesem Fall keinen expliziten Nachweis.

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  3. Marco Bohnsack

    Buch? Ehrlich? Ich hätte gewettet, dass Du einen eBook-Reader mit Dir rumschleppst, wenig Gewicht und endlos viele Bücher. Was spricht gegen so einen?

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    1. Silke (Beitrag Autor)

      Danke, dass das endlich jemand fragt :) Soll ich mir die Antwort für den FAQ-Post aufheben oder bist du zu neugierig?

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      1. Marco Bohnsasck

        Wenn ich den FAQ-Post mitbekomme… ansonsten bin ich schon sehr neugierig, denn bei mir ist es anders: Mein Reader ist mein wichtigster und liebster Reisebegleiter. Ich möchte bitt eine wieder Bücher mitschleppen müssen.

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        1. Silke (Beitrag Autor)

          Ich hatte mir inzwischen auch überlegt, wie fies das wäre, dich so lange warten zu lassen 😉 Also: Wenn ich sonst unterwegs war, habe ich trotz Reader nicht mehr als ein Buch gelesen, weil ich busy mit anderen Dingen war oder einfach nichts machen wollte als zu lauschen und zu schauen. Ich würde diesmal gerne mehr schreiben als lesen, weil ich ein bisschen was vorhabe. Da ich außerdem eigentlich so wenig elektronische Geräte wie möglich mitnehmen will, ist mir die TB-Ausgabe des einen Buches, das ich lesen will, sehr sympathisch. Soeben habe ich allerdings festgestellt, dass die Gewichtsangabe im VLB nicht stimmt: statt 12g leichter zu sein als der Reader, ist das TB in Wahrheit 28g schwerer. DAS Totschlagargument! Und ich hätte die Freiheit, an Regentagen unbegrenzt ohne schlechtes Gewissen zu lesen. Verlockend. Ich werde diese Entscheidung also tatsächlich noch einmal überdenken …

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  4. Griesi

    Je nach Tourdauer, Reisezeil und -zeit halte ich mein Zelt (wiegt 980g + Footprint) für überflüssig. Ich habe doch den Biwaksack, rechne ich mit Kälte kommen noch Schlafsack und eine Unterlage dazu. Die nächste Eskalationsstufe ist nur das Außenzelt mitnehmen (spart fast 300g), dann kommt der Footprint mit und das ganze Zelt eigenlich nur, wenn ich mit dem Mopped fahre, da kommt es nicht so auf das Gewicht an.
    Was wiegt denn Deine Zahnbürste und hat die noch den ganzen langen und schweren Griff hinten oder hast Du schon gekürzt?

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    1. Silke (Beitrag Autor)

      Oh, ein Profi, sehr schön. Ich bin zwei Wochen unterwegs und um diese Zeit hatte ich schon fünf Tage Dauerregen, Sturm und auch mal Schnee. An den 1118g meines Zeltes spare ich nicht (außer, dass natürlich der dumme Feuerwarnzettel (2g) weichen musste), auch nicht an meiner Daune. Meine Zahnbürste wiegt 12 Gramm, noch ungekürzt.

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  5. biblioreader

    Wenn ich bedenke, was ich alles zuviel mit hatte trotz nur 12 Kilo auf dem Rücken. Beim nächsten Mal werde ich ein Depot errichten für die Reisegarnitur – also für die Klamotten, die man nur zur An- und Abreise braucht. Möchte der Zivilisation auch beim nächsten Mal geduscht und umgezogen begegnen.
    Ich fand es zudem spannend mit wie wenig Essen ich ausgekommen bin – der Körper ist wirklich mit anderem beschäftigt.
    E-Book Reader hatte ich eher bei An- und Abreise benutzt, es geht doch nichts über eine angeregte Diskussion mit Berglemmingen am Zelt. 😉

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