Trotzdem. Und gerade jetzt: ein Tag der Hoffnung

Vogelwimpel

Als ich heute Morgen die ersten Schlagzeilen las, begann es in meinen Ohren zu rauschen und mein Sichtfeld verdunkelte sich kurz. Mir wurde schlecht und mein erster Impuls war, den Tag mit Tee und Buch im Bett zu verbringen; jenseits dieser Welt, die so etwas möglich gemacht hatte.

Dann fiel mir meine beste US-Freundin ein, der es noch viel schlechter gehen musste. Und in dem Moment meldete sie sich auch schon. Wir schrieben uns, fassungslos, fast sprachlos, witzelten halbherzig übers Auswandern und erörterten die Frage, ob mit erhöhtem Kekskonsum die Welt noch zu retten sei. Mit Tränen in den Augen scheiterte ich wohl trotzdem kläglich beim Versuch, Optimismus zu verbreiten. Das Gute im Menschen hat diesmal nicht gesiegt. Nur die Angst und die Gewalt. Doch weil wir das auf beiden Seiten des Atlantiks fühlten, wurde die Welt wieder ein bisschen kleiner und heller.

Meike Winnemuth schrieb letzte Woche in ihrer Stern-Kolumne, dass das Phänomen Trump wie ein Schwarzer Schwan sei: ein höchst unwahrscheinliches, ungewöhnliches Ereignis, das aller Theorie und Erfahrung widerspricht. Es ist eins dieser Extreme, die die Welt auf den Kopf zu stellen scheinen und mit ihr alles, was wir für sicher gehalten haben. Es gibt keine Gewissheit, höchstens bis zum nächsten wissenschaftlichen Durchbruch – oder bis zur nächsten Wahl.

Die erste Fassungslosigkeit habe ich überwunden und meine Welt dreht sich wieder. Ich werde die Ohnmacht, die Angst und die Gewalt bei mir nicht gewinnen lassen. Was ich stattdessen mitnehmen will aus diesem Tag: die Gewissheit, dass nichts unmöglich ist. Ich nehme ihn zum Anlass, um künftig noch mehr an Unmögliches, Undenkbares zu glauben und „das wird doch eh nichts“ aus meinen Gedanken zu streichen. Wenn Brexit und Trump möglich sind und ich ja auch sonst gerne mal den Worst Case für möglich halte, dann werde ich endlich auch positive Ausnahmefälle für wahrscheinlicher halten. Und für sie kämpfen.

Dabei können die Ziele gar nicht zu groß werden. Das Leben für zwei Menschen besser machen, die Welt erkunden, einen Beruf, auf den ich mich abends schon wieder freue oder eine respektvolle Gesellschaft bauen, in der alle gleichberechtigt dazugehören, scheinen im Angesicht der unendlichen Möglichkeiten, die sich eröffnen, geradzu winzig und greifbar nah. Den Hunger abschaffen und Kinderausbeutung beenden, Ressourcen gerecht verteilen, Gleichstellung der Geschlechter und da wir schon einmal dabei sind: Weltfrieden schaffen. All das werden wir möglich machen, weil wir endlich daran glauben dürfen! Wenn sogar so ein armseliges Würstchen US-Präsident werden kann, was können wir wahren Helden des Alltags dann alles möglich machen?

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