Weihnachtsabschiedsgeschenk

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Am 27. Dezember 2014 – ganz knapp nach Weihnachten – erhielt ich gegen 3 Uhr morgens das wichtigste Geschenk, eines der größten meines Lebens. Ohne Schleife und ohne Glitzer. In dieser Nacht starb meine Schwester in unseren Armen. Sie starb wie sie gelebt hatte, als Mittelpunkt unserer Familie, kraftvoll, dickköpfig, kämpferisch. Und doch so verletzlich, weich und zart, eingehüllt in unsere Liebe.

Wie groß dieses Geschenk ist, beginne ich erst langsam zu verstehen. Uns wurden vierundzwanzig Stunden geschenkt, in denen wir alle wussten, dass es unsere letzten gemeinsamen sein würden. Vierundzwanzig Stunden, in denen wir uns verabschieden durften, in denen wir all unsere Liebe ausgossen und unsere gemeinsame Geschichte erzählten. Vierundzwanzig Stunden, in denen wir uns alles sagten, was wir zu wiederholen hatten. In denen wir all die kleinen Wunder fühlten, ohne auch nur ein einziges zu übersehen. In denen wir ihr zwar ihren Krieg nicht abnehmen konnten, in denen wir aber alles taten, um den Kampf zu erleichtern. Auch wenn uns das wohl nicht gelang, haben wir nichts zu bereuen. Sie hat auf uns gewartet. Das ist ihr Geschenk an uns: Unsere kleine Liebe war groß genug für sie. Sie hat uns bedingungslos geliebt und uns sie immer lieben lassen; bis zu ihrem letzten Atemzug. Sie starb zu früh, weil jeder Tag ohne sie einer zu viel ist; aber sie starb doch nicht zu schnell. Und das ist das Geschenk, das mich über die Schluchten der Sinnlosigkeit hinweg trägt.

1 Kommentar

  1. Nicki

    Jetzt muss ich ein bißchen weinen…

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