We’re still electrified – eBookCamp 2012 in Hamburg

Auf geht's!© eBookCamp

Auf geht’s!
© eBookCamp

Silke: Lange genug hatten wir gewartet – am vorletzten Samstag war es endlich soweit: Mein Kollege Matthias aus der Herstellung und ich waren beim eBookCamp in Hamburg. Einen ganzen Tag lang durften wir über E-Books reden, nachdenken, fachsimpeln, diskutieren, lachen und staunen. Dazu gab es tolle Begegnungen und Gespräche mit alten Bekannten und neuen spannenden Leuten, lecker Kuchen, Kaffee und Schnittchen.
Aber der Reihe nach: zuerst gab es nämlich bei unserer Ankunft Suppe. Matthias, hast du die probiert?

Matthias: Ich habe mir sogar die ehrenvolle Aufgabe unter den Nagel gerissen, die Terrine zu eröffnen: eine wohlig wärmende Möhren-Curry-Suppe, die dann auch bald aus gutem Grund ihren Weg in die late adopters fand. So gestärkt, mit Kaffee und ersten Gesprächen gegengepuffert, nach viel zu kurzen Blicken auf die ausgestellten Lesegeräte, konnte es dann in die Vorstellung des Teams und die Ausarbeitung des Tagesprogramms gehen. Drei mal drei parallele Sessions wurden angesetzt – und wir sind ja nicht die Einzigen, die an dieser Stelle gern Ableger gebildet hätten, um noch mehr wahrzunehmen.
Sünde fast, dass wir dann auch gleich an der ersten Session gemeinsam teilgenommen haben, anstatt uns effizient zu verteilen, aber gelohnt hat es sich allemal: Steffen Meier, Ulmer Verlag, stellte, unterstützt mit Praxisbeispielen von Vedat Demirdöven aus seiner Tätigkeit bei Kiepenheuer & Witsch, unter dem Titel »E-Book – Quo vadis?« Alternativen zum linearen Erzählen vor, wie sie erst durch E-Books richtig abgebildet werden können. Neue Vertriebsmodelle gab es gleich dazu, von
pay what you want (hmm …) und lifelong updates (aha!) bis zu Sammelkarten (da müssen wir bei V&R wohl passen).
Auch wenn wir keine Belletristik verlegen: eine anregende Stunde, die uns auf eine Zahl neuer Ideen gebracht hat, oder?

Kaffeepause© eBookCamp

Kaffeepause
© eBookCamp

SH: Aber hallo! Diese Session hat richtig Lust gemacht, gleich durchzustarten, neue Formate zu entwickeln und umzusetzen. Ich habe außerdem noch mitgenommen, dass E-Books nur ein Übergangsphänomen sein könnten und finde die Idee mit dem Sammelkarten-Prinzip besonders super. Konnten wir ja anschließend alles bei einem Kaffee und Muffins durchdiskutieren.
Danach gingen die Sessions weiter. Ich besuchte die Session »Freie LektorInnen und E-Books« bei der Ines Balcik einen Blick auf die Herausforderungen warf, die E-Books an Lektoren stellen und Felix Wolf die Abläufe bei der Qualitätssicherung näher unter die Lupe nahm. Ines zeigte auf, dass Beratung, Konzeption, Qualitätssicherung und Indexing auch heutzutage noch die Aufgaben von Lektoren sind, während Felix uns das schwarze Loch, in dem die Qualitätskontrolle im Verlag offensichtlich angesiedelt ist, deutlich vor Augen führte. Verblüffend war dabei für mich, dass freie Lektoren sich anscheinend Gedanken über Dinge wie HTML und EPUB-Konvertierungen machen müssen, die ich als Verlagslektorin einfach an die Herstellung oder einen Dienstleister weiterdelegiere. In der anschließenden Diskussion stellten auch andere Verlagis die Abläufe in ihren Unternehmen vor. Offensichtlich kann es dabei ganz selten passieren, dass aus Versehen eine Vorabversion des Manuskripts als E-Book erstellt wird. Endlich mal ein Problem, das wir bei uns nicht haben können.
Oder gibt es da Herstellungsleichen, von denen niemand etwas weiß, Matthias?

Bei der offline-Arbeit ©eBookCamp

Bei der offline-Arbeit
© eBookCamp

MA: Von solchen Leichen darf allerdings niemand etwas wissen, die Herstellung selbst am wenigsten! Hier würde es sich ja auch um regelrechte Untote handeln, die sich von uns unkontrolliert über die Gehirne der Öffentlichkeit hermachten.
In der zweiten Session haben wir uns nun anständig gegabelt. Ich habe mir die Vorstellung des dotbooks-Verlags von Sarah Mirschinka angesehen: hier mal ein Verlag, der mit der von Fachleuten verschriebenen Regel Ernst macht, das E-Book als das Medium zu behandeln, das als billige, disponible Veröffentlichungsvariante an die Stelle des Taschenbuchs treten wird. Sarah führt uns in großem Bogen durch alle Aspekte des Publikationsmodells. Das zielt klar auf den Publikumsmarkt – Verlagsleiterin in Beate Kuckertz hat sich ihre Sporen zuvor als Programmleiterin Belletristik bei Droemer-Knaur verdient –, und meine Hoffnungen schwinden zuerst auch hier, das eine oder andere Rezept unmittelbar für unseren eigenen Verlag übernehmen zu können. Aber halt: Nach kurzer Zeit stelle ich fest, dass die Methoden in Produktion und Marketing durchweg auch für uns gelten können, natürlich unter entsprechender Berücksichtigung aller unterschiedlichen Rabatte, Auflagenhöhen, Preismodelle und Zielgruppenansprachen. Das reizt zum Rückzug ans Zeichenbrett, und, weniger metaphorisch, nach einer dicht gepackten Stunde Präsentation, ans Buffet mit kleinen Küchlein und gesunden Äpfeln.
Und danach haben wir uns abermals verteilt. Wie ging es weiter, Silke?

E-Reader, Tablets und ein Notebook © eBookCamp

E-Reader, Tablets und ein Notebook
© eBookCamp

SH: Für mich ging es weiter mit einem ernüchternden Realitätscheck: Andrea Kock, Teamleiterin des Bereichs E-Book bei BoD, hat das neue EPUB3 auf aktuellen Readern und Tablets getestet. Die gute Nachricht vorweg: alle Geräte konnten EPUB3 öffnen. Da hört‘s aber schon auf mit den guten Nachrichten: eingebettete Schriften, Tabellen, Pop-Up-Fußnoten, zweispaltiger Text, Initiale, Absatzkontrolle, Videos – keins der Geräte kann bei EPUB3 bisher so richtig überzeugen. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Sehr überzeugend, aufschlussreich, aber auch ernüchternd fand ich diese Session.
Während ich mich mit den Tücken des plattformübergreifenden Produzierens gruselte, amüsierte sich Matthias derweil prächtig:

Wir haben da auch ein bisschen getwittert ... Das eBookCamp in Tweets

Wir haben da auch ein bisschen getwittert …
Das eBookCamp in Tweets

MA: Wie ein Schneekönig in der Session von Jan Krutisch. Es ging tatsächlich hoch her, das Thema verzweigte sich auf Felder, in denen die Teilnehmer Leidenschaft entwickelten. Unter dem Rubrum »Leapfrogging the E-Book« stellte Jan zur Debatte, ob wir nicht die derzeit favorisierten Container-Formate durch einen mutigen Bocksprung hinter uns lassen sollten, um sie durch offene, ständig aktualisierte und synchronisierbare Knoten im Hypertext zu ersetzen. Gründe, warum man dies tun sollte, lassen sich leicht demonstrieren, Stichworte: Formen offener Textproduktionen mit nutzergenerierten Inhalten, frei fortzusetzende Kollaborationen, Beta-Content, Autoren-Battles … Oder anhand literarischer Klassiker: Nils Holgerssons Reise mit den Wildgänsen durch Geodaten und Wikipedia-Einträge unterstützen? Die selbst schon hypertextuelle Struktur des »Ulysses« durch entsprechende Links im Text wie nach außen sichtbar machen? Technisch kein Problem – und mit der Idee, dass ja auch z.B. Reiseveranstalter ihre helle Freude an diesen Möglichkeiten haben müssten, kam ein weniger literarischer als kulturtopischer Klassiker auf, die immer beliebte Diskussion Kunst vs. Kommerz, auch: Autorwille vs. Verwertbarkeit. Stimmung! Und auch das gute oder ungute alte Funkloch, Feind aller Live-Synchronisation, wurde ins Feld geführt.
Tja, Silke, mit roten Wangen ging es dann in die Schlussrunde.

Abschluss-Session - oder: Silke- und Matthias-Suchbild© eBookCamp

Abschluss-Session – oder: Silke- und Matthias-Suchbild
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SH: Uns die Köpfe heißreden können wir gut. Mussten wir aber gar nicht in der Schluss-Session. Peter Schmid-Meil, GRIN-Programmleiter und Leiter der AKEP-Kommission E-Books, stellte noch das AKEP-Wiki vor, in dem das geballte Branchenwissen gesammelt werden soll. Es ist in Vorbereitung, wird hoffentlich Anfang 2013 freigeschaltet und wir alle können fleißig daran mitbasteln.
Ein ambitioniertes Projekt; ich bin gespannt, wie es damit weitergeht. Bedarf dafür ist in der Branche auf jeden Fall da. Das eBookCamp hat mal wieder gezeigt, dass uns die »E-Themen« so schnell nicht ausgehen und der Informations- und Austauschbedarf ungebrochen groß ist. Eine Fortsetzung dieses spannenden Tags wird es auf jeden Fall im nächsten Jahr geben. Hoffentlich sind Matthias und ich wieder schnell genug beim Ergattern der begehrten Tickets.

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